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Tanz-Zen Wie ein Netz wirkt the violence of repetition open doors to anywhere Meine liebste Übung

 

 

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Tanz-Zen

Tanzen ist für die meisten Menschen eine soziale Aktivität. Für Tänzer ist sie auch eine einsame, zumal wenn sie außerhalb des Trainings in der Gruppe auch alleine an sich arbeiten. Der Schritt in die Professionalität beinhaltet ein eigenverantwortliches Üben ohne Anweisung und Aufsicht. Üben als identitätsstiftende Maßname.

Alleine arbeiten ist schwer. Man findet nicht das Ungenügen im Vergleich mit anderen, sondern in Relation zu dem, was zu tun ist. Was zu lernen ansteht. Ohne Stück im Kopf, das zu erfinden und zu manifestieren es gilt, wird das Üben endlos. Ein Zeithorizont öffnet sich, der alles möglich scheinen läßt, grenzenlos -- wo beginnen? Womit?

Alleine trainieren braucht Disziplin. Was man sich vornimmt zu tun, wird getan, Zweifel und Entschuldigung müssen bis nach den Übezeiten verschoben werden. Es gibt einen Grundzustand beim Üben, den ein Mindestsmaß an Aufmerksamkeit, Interesse und Sorgfalt auszeichnet - aber auch die Gelassenheit, einfach zu üben und darauf zu vertrauen, daß man lernt, was zu lernen ist.

Es ist eine geistige Übehaltung, die dem Zen verwandt ist: nicht zu sehr zu wollen, nicht eitel sein beim Tun, einfach tun. Der Zeitaufwand und die Qualität, mit der wir üben verleiht unserem Tanz Tiefe und Bedeutung. Die größte Kunst besteht darin, im leeren Raum zu üben, ohne Aufforderung und Nachfrage. Üben, ohne etwas bestimmtes erreichen zu wollen, üben für die Ewigkeit, üben für Afrika, üben um des Übens willen, üben um bereit zu sein, wenn der Funke entzünden möchte, der das Universum entstehen läßt.

© Eleanora Allerdings, Mai 1998

Dieser Text ist für den Tanzzeit Kalender 1999 (Betula Verlag) entstanden.
Die englische Übersetzung erschien im newsletter des INTERNATIONAL PERFORMANCE NETWORK und wurde 2001 als Lesung für die "first years" am King Alfreds College in Winchester, GB, gehalten.


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